Gynäkologische Aspekte im Leistungssport

Frauen im fertilen, also fruchtbaren, Alter, die kein hormonelles Verhütungsmittel anwenden und nicht schwanger sind, haben in der Regel einen wiederkehrenden hormonellen Zyklus, der meist um die 28 Tage dauert, Der erste Tag der Regelblutung ist der erste Tag des Zyklus. Wenn die Regelblutung alle vier Wochen kommt, liegt ein 28-tägiger Zyklus vor. Der Zyklus wird durch den Eisprung in der Mitte des Zyklus in zwei Hälften geteilt. Dies sind die erste Zyklushälfte (hier steigt der Estrogen-Spiegel im Blut kontinuierlich bis zum Eisprung an) und die zweite Zyklushälfte (hier sinkt der Estrogen-Spiegel wieder und der Progesteron-Spiegel steigt an). 

Die hormonellen Veränderungen während des Menstruationszyklus bedingen ein unterschiedlich hohes Risiko für Verletzungen. Durch das vom Eierstock gebildete Estrogen kommt es zur vermehrten Bildung von Elastin im Körper. Elastin macht die Bänder im Bereich der Gelenke weicher, insbesondere an Knie- und Sprunggelenk. Somit besteht um den Eisprung herum (etwa 10-14 Tage nach dem ersten Tag der Regelblutung) ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Dies sollte beim Training berücksichtigt werden, z.B. indem vor Beginn des Trainings ein ausgedehntes Aufwärmen erfolgt und Maximalbelastung oder Überlastung unbedingt vermieden werden. Auch durch das Tragen geeigneter Schuhe sowie durch das Anlegen von Tapes oder mit Hilfe von Orthesen könnte in dieser Zyklusphase das Verletzungsrisiko reduziert werden. Gleichzeitig nimmt durch den Estrogen-Anstieg die Leistungsfähigkeit der Muskulatur zu.

Durch den Progesteron-Anstieg nach dem Eisprung erhöht sich die Körpertemperatur um ca. ein halbes Grad Celsius und die Atemfrequenz nimmt zu. Es kann leichter zu Kurzatmigkeit kommen und Muskelkraft sowie Ausdauer nehmen im Vergleich zur ersten Zyklushälfte etwas ab. 

Ein weiterer gynäkologischer Aspekt im Leistungssport sind körperliche und seelische Veränderungen in der zweiten Zyklushälfte. Diese betreffen Frauen in unterschiedlicher Ausprägung. Mindestens jede fünfte Frau leidet jedoch unter einem Prämenstruellen Syndrom (PMS). Dabei kommt es nach dem Eisprung zu Brustspannen, Wassereinlagerungen, Übelkeit, Gereiztheit oder Müdigkeit. Nicht jedes Symptom muss auftreten und der Ausprägungsgrad eines PMS kann unterschiedlich sein. Treten in der zweiten Zyklushälfte ausgeprägte depressive Verstimmungen auf, spricht man von einem Prämenstruellen Dysphorischen Syndrom (PMDS). Die Behandlung von PMS und PMDS kann mit Hilfe von pflanzlichen Präparaten oder durch die Verordnung einer Gestagenpille erfolgen. Sehr selten muss auch ein Antidepressivum zum Einsatz kommen. PMS und PMDS sind auch ein Grund dafür, dass in der zweiten Zyklushälfte die körperliche Leistungsfähigkeit im Durchschnitt geringer ist als in der ersten.

Nicht vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang, dass auch die Menstruation zu vielfältigen Beschwerden führen kann. Dies können krampfartige Unterbauchschmerzen (mindestens jede vierte Frau ist davon betroffen), eine verstärkte Regelblutung mit dem Risiko einer Blutarmut oder eine menstruationsabhängige Migräne mit starken einseitigen pulsierenden Kopfschmerzen mit oder ohne Aura in Form von Lichtblitzen oder Lähmungen sein.

Bei Regelschmerzen können Wärme (z.B. Wärmepackungen zum Umschnallen), eine Reduktion der körperlichen Belastung, krampflösende Medikamente wie N-Butylscopolamin oder hormonelle Verhütungsmittel helfen. Bei verstärkter Regelblutung helfen am effektivsten hormonelle Verhütungsmittel sowie prophylaktisch eine eisenreiche Ernährung und ggf. zusätzlich eine Einnahme von Eisentabletten. Bei einer menstruationsabhängigen Migräne ist neben klassischen Migränemedikamenten häufig die Einnahme einer Gestagenpille hilfreich.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Ausdauer und Kraft in der ersten Zyklushälfte (etwa vom Zyklustag 3 bis zum Zyklustag 14) am höchsten sind, wobei etwa ab dem 11. Zyklustag bis zum Eisprung das Risiko für Bänderverletzungen am höchsten ist. Es gibt zudem zahlreiche mit der Menstruation assoziierte Beschwerden. Daher sollten im Leistungssport flächendeckend individualisierte Trainingspläne Anwendung finden, die den Menstruationszyklus der Sportlerinnen berücksichtigen. Hormonelle Präparate sollten, wenn nötig, allerdings stets mit Bedacht und unter Berücksichtigung der Wirkungen und Nebenwirkungen, eingesetzt werden.

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